Etappe 27+28: Au an der Donau – Grein – Klein-Pöchlarn

Etappe 28 Wanderei

Vor ca. drei Wochen startete ich via Instagram den Aufruf, dass ich für einige Etappen noch keine Unterkunft habe und auf der Suche bin. Ich war danach überrascht, wie viele Menschen sich gemeldet haben, diverse Schlafmöglichkeiten wurden mir angeboten. Manche waren vom Etappenziel leider zu weit weg, auch ein Abholen mit dem Auto wäre da schwierig geworden, für manche Touren hatte ich dann doch schon eine Unterkunft und bei manch anderen sagte ich einfach spontan zu. So auch bei meiner gestrigen Wanderung von Au an der Donau bis Grein.

Was soll ich sagen? Ich kann nur wieder und wieder den Gedanken betonen, den ich auf der Wanderei via all den Kanälen schon mehrmals mitteilte: lasst uns mehr aufeinander zugehen. Ich weiß wirklich nicht, ob ich schon vor der Wanderei einfach auf wildfremde Leute zugegangen wäre und mit ihnen darauf los geplappert hätte. Durch das ständige Treffen auf neue Menschen, sei es bei Gesprächen in den Hotels, Unterhaltungen mit anderen Wanderern oder wenn man nur um den Weg fragt, fällt mir eine grundsätzliche Einstellung auf – die Menschen wollen helfen. Das liegt in unserer Natur, davon bin ich überzeugt. Diese erste Distanziertheit, die wir in unserem Alltag gegenüber anderen oft pflegen, ist nur ein Schutz, ein gegenseitiges „Abtasten“, wie das Gegenüber denn so drauf ist. Hat man diese Schwelle überwunden, durchbricht man diese erste Barrikade, die wir oft gar nicht benötigen würden, ist ein neues Kennenlernen – und sei es nur ein flüchtiges – die tollste Sache der Welt.

In Wörgl in Tirol begann ich mit der Hotelwirtin eine Unterhaltung, zuerst über Belangloses, das Wetter und die Hitze. Doch irgendwie kam Bewegung in das Gespräch, sie fragte mich, warum ich auf der Wanderei pro gegangenem Kilometer spende (das erkläre ich übrigens hier) und erzählte mir, ihr Enkel leide selbst an einer Krankheit, für die die Ärzte keine Heilung finden. Die Zeit tickt, doch die Familie lässt sich nicht beirren, glaubt weiter an eine Lösung für die Krankheit. Gemeinsam mit der Verwandtschaft, den Nachbarn und dem Netzwerk darüber hinaus, wurde Geld gesammelt. Man ist einer Heilung nun nahe wie nie. Dieses Schicksal zeigt doch wieder, wie wichtig und mächtig Zusammenhalt sein kann. Was durch auf ein aufeinander zugehen erreicht werden kann. Lasst uns das mehr machen!

Gegen solch wunderbare Aktionen, erscheint mir die Wanderei immer miniklein. Doch auch ich wollte auf der Reise auf andere mehr zugehen, neue Dinge ausprobieren und spontan sein. Zuvor schien mir die Idee etwas „schräg“ – bei wildfremden Menschen zuhause schlafen? Wie wird das? Was ist, wenn das vielleicht nicht so passt, man sich nicht versteht? Seit gestern weiß ich: so spontan zu sein, einfach zuzusagen: „klar schlafe ich bei euch!“, war die beste Sache der Welt. Doch dazu später mehr.

Auf in die 26. Wanderei-Etappe!

Gestern starteten wir bei großer Hitze am frühen Vormittag von unserer tollen Unterkunft, dem Lettnerhof, in Au an der Donau. Im Gegensatz zum Vortag führte uns die Etappe nicht entlang des Donauradwegs, sondern ins Landesinnere, die dicht bewachsenen Felder des Machlands sollten unsere stetigen Begleiter sein. Eva machte es g’scheit, sie borgte sich von der super netten Wirtin des Lettnerhofs ein Fahrrad aus und fuhr den ganzen Tag bequem mit dem Drahtesel neben mir her. Auf zwei Rädern und Füßen machten wir uns also auf den Weg in Richtung Grein an der Donau, hier sollten wir von unseren Gastgebern mit dem Auto abgeholt werden. Nach nur wenigen Kilometern erreichten wir Naarn im Machlande, eine kleine Ortschaft – von hier kommt zu Beispiel köstliches Apfelmus! – nahe der Bezirkshauptstadt Perg. Wir ließen das verschlafene Dorf schnell hinter uns, durchquerten herrliche Sonnenblumenfelder und beobachteten diverse Bauern bei ihrer Ernte und Feldarbeit.

Marchland
Die heitere Feldarbeit im Marchland.

Schließlich erreichten wir die Naarn (der zum Ort zugehörige Fluss), ein munteres Bächlein, dem wir nun mehrere Kilometer folgten. An den Ufern legten wir – unsere Füße im Bach – die Mittagsrast ein. Danach war es mit den Schotterstraßen vorbei, es regierte wieder der Asphalt. Über diverse Promillstraßerl gelangten wir bis Baumgartenberg. Das zum Ort zugehörige Stift ist wirklich schön, wenn ihr mal in der Nähe seid, schaut euch das an! Seit heute gibt es für den Stiftsturm übrigens ein neues Ziffernblatt, bei unserer kurzen Rast dort wurde es gerade montiert.

Baumgartenberg Wanderei
Ein neues Ziffernblatt für Stift Baumgartenberg, bitte!

Ein knackiger Anstieg, kurz nach dem Dorf Saxen, brachte uns schließlich auf eine Anhöhe, von der wir einen herrlichen Ausblick ins Mühlviertel genießen konnten, die Sicht reichte wohl bis weit nach Tschechien. Wenige Kilometer später erreichten wir schon unseren Zielort, Grein, gelegen an der Donau beherbergt der Ort das älteste Stadttheater Österreichs, seit 1791 steht es dort. Darüber hinaus gibt es ein herrliches Schlösschen, die Greinburg überragt das Dorf und in der sehr schönen Altstadt geht es munter zu. Grein ist bei Radfahrern des Donauradwegs äußerst beliebt.

Grein Wanderei
Der Stadtplatz von Grein, links das bekannte Stadtheater.

Unterkommen durften meine Freundin Eva und ich am Bauernhof der Familie Dirtl in Zeillern. Was soll ich sagen, wir wurden von den drei Töchtern Theresa, Carina und Nadine in einen Topf voller Liebe geworfen. Während wir beim hauseigenen Pool entspannten, wurde eine herrliche Heurigenjause für uns vorbereitet, was für eine tolle Stärkung nach einer langen Etappe. Natürlich durfte auch eine Stallbesichtigung nicht fehlen, über 70 Milchkühe leben hier, darunter auch ein gerade einmal drei Wochen altes Kalb. Den Abend ließen wir anschließend bei einer Mostverkostung, Carina ist doch tatsächlich Mostsommelier und konnte uns vieles erklären, Eis von der besten Diele in Grein und selbstgebackenem Kuchen ausklingen. Theresa räumte sogar ihr Zimmer und schläft im Wohnzimmer, sämtliches Intervenieren unsererseits, dass wir auch auf der Couch nächtigen können, nützte nichts. Sie bestand auf unsere Nachtruhe in ihrem Raum. Ihr Lieben, was soll ich sagen. Mein Danke kommt von ganzem Herzen. Ihr seid toll.

Und schon geht es nach Niederösterreich!

Nicht nur unsere Unterkunft letzte Nacht lag schon im niederösterreichischen Mostviertel, auch ich durfte heute zu Fuß ins größte und letzte Wanderei-Bundesland marschieren. Knapp 34 Kilometer musste ich auf der längsten Wanderei-Etappe von Grein bis Klein-Pöchlarn hinter mich bringen, nun liege ich todmüde in meinem Bett hier in der Nähe vom Etappenziel. Über die heutige Wanderung selbst kann ich euch nicht allzu viel spektakuläres berichten, ich ging mit meiner Begleiterin Eva den ganzen Tag am Radweg direkt neben der dichtbefahrenen Bundesstraße. Landschaftlich mag der oberösterreichische Strudengau und auch das nachfolgende Niederösterreich sehr schön sein, doch der Verkehr auf der Straße trübt dann doch etwa das Umland.

Sarmingstein
Blick auf die Donau bei Sarmingstein, noch in Oberösterreich.

Nach ca. 12 Kilometern erreichte ich das persönliche Tageshighlight: die Bundeslandgrenze Niederösterreichs. Damit habe ich nach ca. 730 Kilometern das vorletzte Wanderei-Bundesland erreicht, das nächste und letzte ist dann doch tatsächlich schon Wien. Ich freue mich wirklich darauf! Vorbei am Kraftwerk Ybbs-Persenbeug, bei dem sich Evas und meine Wege trennten – keine Sorge, ich schubste sie nicht in die Donau, aber sie musste mit dem Zug zurück nach Wien – erreichte ich den „Schlusssprint“ in Richtung Klein-Pöchlarn.

Niederösterreich Wanderei
Hallo, Niederösterreich!

Immer die Wallfahrtskirche von Maria Taferl fest im Blick, gelanget ich nach Marbach an der Donau, nach weiteren fünf Kilometern  am Radweg neben der Straße, erreichte ich das Etappenziel für heute. Kurz davor habe ich es übrigens einmal wieder so richtig verschrien indem ich mir sicher war, heute glücklicherweise ohne Regen zu bleiben. Ca. 500 Meter vor Abschluss der Etappe erwischte mich ein richtiger Wolkenbruch, vollkommend durchnässt erreichte ich das Auto meiner Gastgeberin Julia. Auto? Ja, auch heute bin ich auf die smarten Vierräder, die wesentlich schneller sind als ich zu Fuß, angewiesen. Meine Gastgeberin lebt nämlich mit ihrer Familie etwas außerhalb von Klein-Pöchlarn. Auf Willis Bauernhof darf ich heute meine müden Wanderfüße ausruhen, Urlaub am Bauernhof wie er sein soll, gemütlich, extrem nette Leute und ein Mostheuriger, was will man mehr? Die Gastgeberfamilie Wilhelm produziert den Großteil ihrer Produkte selbst, davon durfte ich mich bei der abendlichen Jause gleich überzeugen, auch der Most dazu mundet hervorragend. Man merkt, dass Wien immer näher kommt, denn auch die Heurigen nehmen stark zu.

Bussi Wanderei
Bussi an alle nach den letzten Etappen!

Blasencounter: 17
Schnitzelcounter: 3,2
Kilometercounter: 745
Spenden: 3.725 € für die St. Anna Kinderkrebsforschung erlaufen

Fazit: Zwei kilometertechnisch anstrengende Etappe, eine im „Hinterland“, eine immer entlang der Donau. 60 Kilometer bin ich in zwei Tagen gegangen und mittlerweile in Niederösterreich. Morgen wird es ganz bestimmt traumhaft schön, denn ich erreiche eines der nächsten Wanderei-Highlights: die Wachau. Bis Spitz an der Donau werde ich wandern und dort dann einen Ruhetag einlegen. Morgen knacke ich entlang der Etappe übrigens die letzten 100 Kilometer der Wanderei, auf in das große Finale!

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