Warum weniger Warum bei der Wanderei guttut

Jan Pöltner

„Bist du komplett verrückt geworden?“, nicht nur einmal habe ich diesen Satz in den letzten Monaten gehört. Freunde. Familie. Bekannte. Geschäftspartner. Instagram-Follower. Alle haben mir in unterschiedlichster Form das Selbe gesagt – WARUM tust du das? Manche mehr durch die Blume („Also ich finde es ja super cool, was du da vorhast, aber… warum?“), manche weniger („Du bist ein fester Trottel. So weit gehen? Den ganzen Sommer opfern?“).

Das Wichtigste für mich: Keiner opfert hier irgendwas. Klar verzichte ich auf einen traumhaften Sommer in Wien und zahllose schlaflose Nächte in der viel zu heißen Wohnung. Klar verzichte ich auf viele, viele gemeinsame Stunden mit meiner/n Liebsten. In die Wanderei zu starten und ständig den Gedanken des Verzichts und Verpassens mit sich zu tragen, würde aber schnell auf die Stimmung schlagen. So wie generell solch eine Lebenseinstellung vermutlich eher ungesund ist, man kann einfach nicht auf jeder Hochzeit tanzen.

Eine Freundin meinte darauf nur: „Du kannst doch nicht ohne Grund 900 Kilometer zu Fuß gehen?“ Ob ich das kann, weiß ich selbst noch nicht, aber probieren möchte ich es.

Allgemeines Kopfschütteln hat dann meist auch meine Antwort auf das „Warum“ ausgelöst: ich weiß es nämlich selbst (noch) nicht so genau. Und das ist schön. Vielleicht komme ich drauf, wenn ich im Zug von Wien nach Bregenz sitze. Vielleicht unterwegs bei der ersten Begegnung mit interessanten Menschen. Vielleicht, wenn ich das erste Mal so richtig vom Regen abgeduscht werde. Vielleicht, wenn der dritte Radler auf der Hütte noch immer so gut schmeckt. Vielleicht komme ich aber auch gar nicht drauf. Eine Freundin meinte darauf nur: „Du kannst doch nicht ohne Grund 900 Kilometer zu Fuß gehen?“ Ob ich das kann, weiß ich selbst noch nicht, aber probieren möchte ich es.

Denn eigentlich ist es ja so: Alles braucht heutzutage einen Grund. Das WARUM muss immer beantwortet werden. Denn sonst macht das ja keinen Sinn, also so ganz ohne Grund. Ich habe mich selbst oft genug dabei ertappt, für alles eine Erklärung zu suchen. Meistens zwischen 1 und 4 Uhr morgens und eigentlich immer in den Nächten vor wichtigen Terminen. Da ist es eigentlich immer das Gleiche: in dem Moment, in dem man schlaftrunken das Licht ausschaltet, ist die Müdigkeit wie weggeputzt ist und der Kopf beginnt zu arbeiten, wie man es an so manchem Werktag nur gerne hätte. Sogar die Frage: „Warum kann ich jetzt nicht schlafen?“, sucht dann nach einem Grund. Und schon kommt man vom Hundertstel ins Tausendstel.

Jan Pöltner
(c) Alex Redl / 1000things.at

Holen wir uns alle etwas mehr „Warumlosigkeit“

Wenn ich schon jetzt etwas durch das Projekt der Wanderei gelernt habe, dann, dass eben nicht alles einen Grund haben muss. Ich denke beim „grundlosen Handeln“ gerne an einen Bekannten, der ein wunderbares „warumloses“ Leben führt. Etwa beim Reisen. Ich bin immer (zu) perfekt vorbereitet: Flug-Abflugzeit doppelt und dreifach gecheckt, das Hotel oder Airbnb wurde sowieso schon lange im Voraus gebucht und welche Sightseeingspots ich mir mit hunderten Touristen gleichzeitig ansehen möchte, weiß ich nach intensiver Auseinandersetzung mit diversen Reiseführern auch schon ewig zuvor.

Der Bekannte hat – wenn er nicht noch am gleichen Tag entscheidet wegzufahren – maximal den Flug gebucht. Alles andere ergibt sich sozusagen auf der Reise. Früher habe ich ihn gefragt: „Warum machst du das?“ Seine Antwort: „Warum nicht? Es ist doch so wunderbar, sich treiben zu lassen und eben nicht genau zu wissen, was passiert.“ Was mich vor einigen Jahren noch brutal gestresst hätte, nämlich ohne „Kontrolle“, Grund und Planung irgendwo hinzufahren, empfinde ich jetzt als etwas Wunderbares. Sich „grundlos“ und ohne das große Warum dahinter treiben zu lassen. „Schau ma, was passiert.“, wie wir in Österreich so gerne sagen. Und genau das wird auch bei der Wanderei so sein. Schau ma, was passiert.

Ganz ohne Grund ist die Sache dann übrigens selbstverständlich auch nicht: Pro gegangenem Kilometer sollen bei der Wanderei fünf Euro an die St. Anna Kinderkrebsforschung gespendet werden. Das ist schön. Das ist gut. Und sogar ein ganz, ganz wunderbarer Grund, die Sache durchzuziehen. Das hat mir sogar mein „Reise-Bekannter“ bestätigt.

Lest weiter, wenn ihr alles über meine genaue Route erfahren wollt.

Beitragsbild: Alex Redl / 1000things.at

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